Knabenturnier-Kicker geben alles
Riesenfreude beim 1. FC Neubrandenburg 04 nach dem Tor gegen Eintracht Braunschweig.
Riesenfreude beim 1. FC Neubrandenburg 04 nach dem Tor gegen Eintracht Braunschweig.
Peter Krüger

Frauen-, na gut Mädchenpower! Kompromisslos drosch FCN-Kickerin Elly Böttcher einen Freistoß zum 1:1 in die Maschen des Braunschweiger Tores. Zuvor hatten sich das Heimteam leider einen Konter eingefangen, den Glory Kiveta überlegt am FCN-Schlussmann Ole-Christian Behrendt vorbeispitzelte. Danach machten die Neubrandenburger Dauerdruck. Und sorgten für Gefühlsausbrüche in Serie. Erst versiebte Elly Böttcher eine weitere Chance, dann stockte den FCN-Fans der Atem, als Keeper Behrendt nach einer Rettungstat zunächst im Strafraum liege blieb. Aber er konnte weitermachen, legte den Abstoß auf Cedric Maltz ab, der den Ball nach vorn drosch. Justus Liebich ließ mit dem Kopf sanft abtropfen und sorgte für ohrenbetäubenden Jubel im Jahnsportforum und den zweiten FCN-Sieg des Tages.

Der Jubel hörte nicht auf, denn die TSG-Jungs gingen ebenfalls nach weiter Vorlage auf Kapitän Hünemörder mit 1:0 gegen Dortmund in Front. Und hielten diese Führung danach mit tapferer Gegenwehr und Glück lange fest. Doch in Überzahl - ein Dortmunder musste wegen Meckerns eine Zeitstrafe absitzen - fingen sich die Neustrelitzer vom langen Matlob Asadov ein Gegentor ein. Und kurz vor Schluss, nachdem Probleme mit der Spielzeituhr noch für Trubel gesorgt hatten, machte ein weiterer Treffer des BVB die Neustrelitzer Hoffnung auf den ersten Punkt zunichte.

Für die erste Nullnummer des Tages sorgten dann der FC Augsburg und der VfB Stuttgart. Erwähnenswert dabei: Beide Tor-Jungs interpretierten ihre Rolle durchaus frei und versuchten, den jeweiligen Gegenüber mit platzierten Fernschüssen von der Mittellinie zu überraschen. Klappte aber nicht.

Ein Fehler des Hansa-Keepers brachte die Rostocker gegen Bremen ins Hintertreffen. Melvin Galinsky ließ den Ball zu weit vom Fuß springen, Bremens Benjamin Mashollaj nutzte die Gelegenheit. Sein Teamkollege Joshua Dudock sorgte für den Endstand und beendete alle Hansa-Träume vom Halbfinale.

Im Duell Leverkusen gegen Hoffenheim war verlieren verboten, dementsprechend einigten sich beide Teams auf ein torloses Remis. Bayer hatte etws mehr vom Spiel, aber ein starker Hoffenheim-Keeper hielt das Unentschieden fest.

Und so langsam schien den Teams die Kraft auszugehen. Denn auch Hertha und RB Leipzig ließen bis kurz vor Schluss keine Bälle im Netz zappeln. Was aber auch am starken Leipziger Keeper Silas Prüfrock lag, der einige Berliner Schüsse entschärfte. Der agile Lucas Michelbrink hatte dann aber doch noch den Willen und das Können, setzte sich über rechts durch und schob zum Hertha-Siegtreffer ein.

Und um eventuell aufkommende Müdigkeit in der Halle nach sieben Stunden Knabenturnier wegzupusten, hilft am besten ein Auftritt der Heimmannschaft. Elly Böttcher ließ erneut mit einem Freistoß aufhorchen, den der lange Metz-Keeper Jules Scapin gerade so halten konnte. Beim Distanzschuss von FCN-Kapiän Wout Abrahams nach einer Ecke von Tobias Krause gelang ihm dies jedoch nicht. Und diese Kombi hätte fast noch ein weiteres Mal geklappt, doch zuvor mussten sich die Neubrandenburger einige Male tief durchatmen. Dann ein Novum: Gleich von beiden Teams wurden Streithähne auf die Bank geschickt. Und weiter ging der wilde Ritt: Nachdem Leander Zobler im FCN-Tor zweimal toll parierte, war er gegen einen lupenreinen Hattrick von Dido Bachammar machtlos. Und so muss der FCN im letzten Gruppenspiel als Verlierer vom Platz gehen.

 

Jörg Franze